Axel Becker

Schauspieler / Sänger

Twist – Tintentod – Törless… JTB!

Mut zur Lücke… es gäbe eigentlich noch eine ganze Menge anderer Sachen groß zu besprechen, die es alle verdient hätten, „erstmal“ hier zu stehen… aber „man schafft“ das alles ja gar nicht, was wünschenswert wäre…

Ich hoppel mal durchs Wichtigste: Mein Thema der letzten zwei Wochen war deutlich das Junge Theater Bonn. Zusätzlich zu meinen eigenen Umbesetzungsproben und meiner Premiere als schwarzer Prinz in „Tintentod“ habe ich noch zwei Premieren dort gesehen… und es hat mich die erste sehr gefreut, die zweite schlicht umgehauen.

Bei „Oliver Twist“ konnte ich meinen Les-Misérables-Kollegen von früher, Kristian Vetter, wiedertreffen, diesmal in der „Rolle“ des Komponisten. Sehr gute , die er da geschrieben hat!

Tief und mitreißend zugleich, sodaß gleich ab der ersten Nummer der „Les-Mis-Vergleich“ auf der Hand liegt, schon allein wegen der Ähnlichkeit des Arbeitslagers zum Waisenhaus bei Oliver Twist.

Mit der ersten Nummer ist auch gleich die Höhe des Stückes erreicht. Vom ersten Ton an wird man ins choreografisch wunderbar dargestellte Elend des Chors der Waisenkinder eingesogen. Peng.

Und was die tollen Kollegen und Kinder-Darsteller da sonst alles Wunderbares auf die zaubern guckst du hier…„Oliver Twist“… Mut zur Lücke…

Dann war da die Premiere „Tintentod“ auf Abstecher in Lennestadt, wo ich zum ersten Mal selbst im gemischten Ensemble des JTB spielen durfte. Wo der Enthusiasmus von Schülertheater auf die Professionalität von Berufsschauspielern trifft und daraus diese einzigartige Mischung des JTB entsteht. Danke an alle Kollegen aller Altersklassen! Es war schön für mich, ich freue mich auf die November-Dezember-Vorstellungen!

Der frischeste Eindruck bei mir ist ja noch von der zweiten Premiere da, die ich am JTB gesehen habe, „Törless“.

Wow.

Wo fang’ ich an?

Hm, ich glaube, beim Regisseur fang’ ich an.

Mit dem möchte man gerne arbeiten! Wie er technische Mittel einwebt (jeder der Darsteller kriegt mal die Webcam in die Flosse und das live-Bild wird projeziert), die immer die Darsteller und die Handlung stützen, ist toll. Ebenfalls toll, wie er die vier Jugend-Darsteller und eine Jung-Schauspielerin so dicht, mitreißend und packend miteinander spielen lässt… immer genau, immer an der virtuosen Grenze, wo „dicht“ auch „zu viel“ werden könnte… aber nie zu viel wird.

(Alles über die Darsteller hier)

Es geht um Macht… und was man damit tut. Ob und warum man tut, wozu man die Möglichkeit hat… und weil hier lauter Jugendliche gezeigt werden, ist jede Frage überall „zum ersten Mal“ zu sehen und deshalb umso interessanter… ob man jemanden quält und warum man das sollte… ob man jemanden liebt und warum man das sollte…

Ich habe selten so junge Schauspieler so gut, dicht, konzentriert und packend miteinander spielen sehen. Da tritt vollends in den Hintergrund, dass da jeder von ihnen (aus dem Lehrer-Standpunkt gesehen) seine schauspielerischen „Baustellen“ hat… wenn das Gesamt-Paket mich soo mitnimmt, mich so angeht, mich so fesselt, wie diese „Törless“-Vorstellung, zieh ich alle meine Hüte! Super war’s, da „muß“ jeder reingehen!

(Und den Stoff, den Musil-Roman, könnte ich auch mal lesen…)

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